Kicken, wo der Mais wächst

[09.09.2008 | TA]

Philipp, Tim, Felix und noch ein paar andere Elfjährige haben Berthold
Tillmann einen Brief geschrieben: „Bitte helfen Sie uns!“ Die jungen
Fußballer von Eintracht Münster wollen den Oberbürgermeister als
Mitspieler gewinnen. Wenn er den richtigen Pass spielt, könnte es
klappen mit dem Bau eines Rasenplatzes in der Nähe der Eintracht-Anlage
am Pleistermühlenweg.

Eine zur Verfügung gestellte Fläche würde dem Klub schon reichen – den Rest will er mit eigenen Kräften und Mitteln stemmen.


Ascheplatz hält Mädchen ab

In St. Mauritz kicken die Eintracht-Teams ausschließlich auf Asche.
Und darum stößt der Klub an Wachstumsgrenzen. „Mädchen kommen erst gar
nicht“, heißt es. Andernorts boomt Mädchenfußball, aber der kleine
Tennenplatz lädt kaum dazu ein, es bei Eintracht zu versuchen.

140 Kids sind beim 1984 gegründeten Verein in den Teams organisiert. Es tut sich
durchaus etwas: 2003 wurde der Ascheplatz erneuert, jetzt gerade ist
das neue kleine Vereinsheim beinahe fertig. Luxus ist das alles nicht,
aber den braucht die Eintracht auch gar nicht.

Thema im Sportausschuss

Am Donnerstag wird das Ansinnen des Klubs im Sportausschuss
vorgetragen. Der Plan, den uns der Vereinsvorsitzende Heinz Sievert
erklärte, hört sich gut an. Gegenüber der Längsseite des Ascheplatzes
hat der Verein einen Acker ausfindig gemacht, den die Stadt einem
Bauern verpachtet. Im Flächennutzungsplan ist das Areal bereits als
Grünfläche Sport ausgewiesen. Der Landwirt, der seine Maisfelder bald
mähen wird, weiß das. Gemunkelt wird, die Stadt wolle innerhalb der
nächsten beiden Jahre den Pachtvertrag eh kündigen.

Das Projekt heißt: Anpacken

Die Eintracht hat sich mit Hilfe von Dr. Dieter Fehmer, der 2002 die
Boule-Abteilung gründete, schlau gemacht, hat die Bezirksvertretung
eingebunden und mit dem Sportamt gesprochen. Und Sievert unterbreitete
ein Angebot: „Wenn uns die Fläche zur Verfügung gestellt würde, die ein
normaler Rasenplatz braucht, dann sorgen wir selbst dafür, dass der
Fußballplatz entsteht.“

Unter Anleitung der Fachleute würde der Klub in Eigenarbeit aktiv –
Landschaftsgärtner und Landwirte sind schon kontaktiert worden. Sievert
scheut sich nicht davor, das Projekt anzupacken. „Das kriegen wir hin.
Die Stadt würde nur auf eine Pachteinnahme verzichten müssen. Mehr
nicht.“

Gebremste Entwicklung

Die Eintracht – von der Stadt aus gesehen im Gegensatz zu Münster 08
und TuS Saxonia jenseits der Umgehungsstraße gelegen – würde endlich
einer Weiterentwicklung Rechnung tragen, die zurzeit zwangsweise
gebremst wird. „Der Bedarf ist doch groß, das merken wir ständig. Die
Kinder wollen kicken – aber nicht unter diesen Bedingungen“, wertet
Sievert. Und hofft auf ein Signal am Donnerstag.

(c) 09.09.2008 – echo-muenster.de – Thomas Austermann