Im Vorfeld der Partie der Eintracht gegen das um sechs Punkte bessere Team aus Sassenberg wurde nicht nur das Funktionsshirt von Spielmacher Jöhren auf links gekrempelt. In der vorhergegangenen Woche gab es im ganzen Verein ein mittelschweres Personalbeben, das mehr Rochaden verursachte als Schachweltmeister Garri Kimowitsch Kasparow in seinen kompletten Schachpartien des vergangenen Jahres. Skipi Kosoric nahm seinen verdienstreichen Trainer-Hut an der Werse und Christian Hölker übernahm das Ruder der Erstvertretung. Mit beiden gingen zahlreiche Spieler. Im ersten Fall aus dem Verein und im Zweiten von der 2. in die 1. Mannschaft. Nachdem die wichtigen Entscheidungen also geklärt waren, gingen alle am Ende der letzten Woche friedlich zu Bett. In der Nacht von Sonntag auf Montag erwachte Präsident Heinz allerdings schweißgebadet aus einem seiner zahlreichen frivolen Träume um schreiend festzustellen, dass bei der detailreichen Zukunftsplanung des Vereins noch der Trainer der 2. Mannschaft fehlt. Also was tun? Kosoric anzurufen für ein Comeback wäre noch zu früh. Kloppo hat leider auch gerade bei Liverpool verlängert und die Passanten, die zufällig am Rande des Trainingsgeländes spazieren gingen, konnten ebensowenig zu diesem ruhmreichen Amt bewegt werden. Nach dem Ausschluss-Prinzip kam dem ehemaligen Erfolgscoach Josch Beuse die kühne Idee einen alten Bekannten aus dem Bett zu klingeln. Nein, es war nicht Peter Neururer…

Michael Lotte sollte es werden. Und der war aufgrund des Angebotes so verduzt, dass das Gestammel am Telefon für Beuse wohl so wie ein „Ja, ich mach es!“ geklungen haben muss, denn keine fünf Tage später fand sich Lotte in der für ihn ungewöhnlichen Position als Cheftrainer wieder.

Und was soll man sagen? Der frische personelle Wind in Form von Till Gilsbach aus der 3. Mannschaft sowie Fabian Zellien aus der 1. und Björn Schubert, der nach langer Verletzung aus der 1. Mannschaft geliehen wurde, brachte eine über weite Strecken bemerkenswerte Leistung zustande. Die Zweitvertretung startete gar mit einem spontanen Torefolg nach zwei Minuten. Jöhren brachte einen Freistoß frisch und frech von halblinks mit Zug halbhoch auf den ersten Pfosten und Innenverteidiger Felix Balster spitzelte die Pille mit dem dicken Onkel am Torhüter vorbei in die Maschen. Ungläubige Blicke in der Coaching-Zone begleiteten den frenetischen Jubel auf dem Feld.

Und dieses Tor gab der Truppe Sicherheit und die von Coach Lotte geforderte Stabilität im Defensivverbund. In vielen Fällen wurde der Ball rigoros geklärt und teilweise clever von hinten herausgespielt. Die Verunsicherung der Vorwochen waren wie weggeblasen.

Die Eintracht war in der Anfangsphase die aktivere Mannschaft, obwohl mit Eckner, Lehmann, Funke den Leusi-Zwillingen und P. Zellien nominelle Stammkräfte nicht zur Verfügung standen. Erst nach 30. Minuten gab es erste Annährungsversuche der Sassenberger auf das Tor von D. Zellien, die aber genauso abblitzen, wie die Kussversuche Luke Wettwers an seiner Freundin nach einer durchzechten, dönerreichen Nacht.

Zum Pausenpfiff war klar, dass so viel Einsatz, wie ihn die Mannen von der Werse zeigten, auch Abnutzungserscheinungen hervorrufen würden. Nach gut 60 Minuten kam so Brannekemper für Thiem, der nach langer Konditions-Abstinenz aus dem allerletzten Loch pfeifte. In der 63. Minute wurde Rückkehrer Haefner für F. Zellien eingewechselt, der bis dahin ein klasse Spiel auf der Sechser-Position abgeliefert hatte. In der 65. Minute schüttelten alle, die es mit der Eintracht halten ungläubig den Kopf. „So viel Haupthaar fliegt sonst nur bei einem Heavy Metal Konzert durch die Gegend.“ meinte ein neutraler Zuschauer. Bränni Brannekemper schaffte es nach genau zwei Ballkontakten und einem halben Sprint seinen Gegenspieler in der Nähe des Schiedsrichters mit einer Äußerung zu versehen, die nur eine Entscheidung rechtfertigte: Rot!

Mit zehn Mann und einigen Taktischen Änderungen wurde es jetzt schwer gegen einen Gegner, der seine Chance auf Punkte nun wahrnehmen wollte. Und tatsächlich, über die rechte Seite bekam man in der 75. Minute keinen Zugriff und der einzige verlorene Luftzweikampf der baumlangen Innenverteidiger Lührmann und Balster fand der gegnerischen Stürmer, der mit einem platzierten Kopfball den machtlosen D. Zellien bezwang. In den darauf folgenden Minuten schwamm die Hintermannschaft mehr als ein Schwarm Silberflossenmakrelen im Antlantik. Bester Beleg dafür war ein Lattentreffer nach einer scharf getretenen Ecke der Gäste.

Mit der Hereinnahme von Luke Wettwer für Gilsbach konnte die Defensive wieder an Stabilität gewinnen und agierte aus einer Dreierkette, die bei gegnerischen Angriffen zu einer Fünferkette wurde. Dies erlaubte dann auch wieder einige Entlastungsangriffe. So war es Davarovic, der in der 80. Minute die dickste Chance der Eintracht zum erneuten Führungstreffer verstreichen ließ, als er alleine aufs Tor zulief und in letzter Sekunde noch von seinem Gegenspieler eingeholt wurde.

Am Ende muss die aufopferungsvoll kämpfende Eintracht mit einem Punkt nach einem guten Spiel und halbstündiger Unterzahl zufrieden sein und wird diese Leistung bestätigen müssen, wenn bereits am Donnerstag DJK RW Milte wartet.